Ciao,
das ist ein haariges Thema. Kaum eine Branche trifft so hart aufeinander wie die Webdesigner im Internet.
Ich selbe würde mich nie als Webdesigner bezeichnen. Ich bin zwar gelernter Fachinformatiker, würde mich selbst aber auch nie als "Administator" bezeichnen. Ich selber habe für mich eine Definition dieser Begriff, und ich denke das viele die sich zwar so nennen es ebenfalls nicht schaffen dieser Definition nachzukommen.
Das Paradoxe ist allerdings, das ich auch "Webdesign" anbiete. Allerdings nutze ich den Begriff nur, da er allen bekannt ist. D.h. für mich, ich selber versuche Kunden möglichst gut im Preis/Leistungs-Verhältnis zu helfen das ihre Sache zum Erfolg führt.
Früher habe ich für eine Agentur gearbeitet (Aussendienst für Webseiten), und bin der Meinung das eine "normale" (kleine) Webseite erst ab 600 Euro zu bekommen ist (dazu gehört also alles was eine Agentur braucht: Grafiker, Texter, Aussendienst, Büro, Material, ....). Die alle müssen davon leben können.
Nun bin ich selber Selbständig und muß sehen wie ich zurecht kommen, und habe da für mich selber ein Konzept entwickelt, das viele wahrscheinlich für "seltsam" halten. Ob es aufgeht kann ich auch nicht sagen. Das wird die Zukunft zeigen.
Ein Beispiel: Ich habe eine Züchterin kennen gelernt die Probleme hat ihre "Ware" an den Mann zu bringen. Sie selbst 60 Jahre und hat keine PC/Internet. Theoretisch würde man der guten Frau jetzt sagen ihre Page würde 600-1000 Euro kosten. Das wäre ein Page die durch und durch stylisch wäre, toller Code, und das ganze bla bla. Ich selber kann das quasi aber schon nicht. Und wenn ich es könnte bin ich überzeugt das die Züchterin sich das 3 oder 4 mal überlegt einen solchen Auftrag zu vergeben. Schließlich sind 600 Euro viel Geld (dafür kann man lange weiterhin Zeitungsanzeigen schalten). Also steht man quasi nun vor dem Problem das "ich" die Leistung eigentlich nicht bringen kann, und die Kundin sie (wenn ich sie könnte) wahrscheinlich nicht zahlen würde.
Und das schlimme daran ist man könnte noch nicht mal Erfolg versprechen. Ich bin nämlich davon überzeugt, das es heute viele Webdesigner, Werbeleute, Agenturen, .... usw. gibt, die gerade das ausser acht lassen, und nur ihren eigenen Profit sehen. Das ist quasi so als wenn ein Autolackier ein super Airbrush machen kann mit einer Werbung (z.B. für die Züchterin) aber dieses Airbrush unter die Motorhaube macht. Thema verfehlt, setzen 6.
Ich will damit sagen das heute viele Webdesigner auf Code und Co. achten, aber den Erfolg der Sache (oder das Konzept dorthin) voll ausser acht lassen. Sie unterliegen dem Druck sich selbst zu verwirklichen und sich wegen dem eigenen Ego gegen seine Konkurrenz durchzusetzen bzw. zu behaupten.
Weiter am Beispiel der Züchterin. Der autonormal Webdesigner hätte also nun die Variante vorgeschlagen mit den 600-1000 Euro. Und wie erwähnt wäre es fraglich ob der Auftrag zu stande gekommen wäre.
Ich selber sehe mich eher als Verkäufer, und nutze dazu die Basics die ich aus Internet und Co. kenne. Also habe ich der Dame vorgeschlagen das ich quasi als Aussendienst für sie arbeite. Was heißt das? Grundform: Ein Aussendienst arbeitet auf eigenem Risiko. Verkauft er nichts, bekommt er nichts. Weitere Form: Fixum + Provision. Und genau das hab ich vorgeschlagen. Ich habe für ein Minimum die Webseite erstellt. Simpel und einfach (schließlich kann ich nicht garantieren das es erfolgreich wird, also wozu mehr investieren?). Die Sache wurde glücklicherweise zu einem Erfolg. Und ich kann euch sagen ich habe bis jetzt weit mehr als 1000 Euro an der Geschichte verdient. Und jedes mal wenn ich Geld verdiene zahlt die Kundin gerne warum? Weil meine Auszahlung immer mit dem eigenne Erfolg gekoppelt ist. Also die typische Auftrageber => Aussendienst Situation.
Wenn ich nun die Webseite den "selbst ernannten Profis" zeige, oder sogar wirklichen Profis was Design angeht, werde ich wohl ausgelacht, wenn ich mein Produkt (die Page) zeige. Und das gelächter verstummt dann wenn ich den Preis nenne. Es schwingt dann um zu "Ausbeuter, das ist doch nen Witz" bla bla. Ja und warum? Das Konzept war/ist denkbar einfach. Der Erfolg der Sache (also des Kunden) steht im Vordergrund, nicht meine eigene Profilierung durch eine "stylische" Page. Was will ich mehr als das alle Produkte verkauft sind?!? Das ist mein Erfolg dabei.
Ich denke also hier muß ein umdenken passieren. Das gilt für viele Branchen. Quasi für jeden der verkaufen will.
Mich ruft letztens eine Toner-Firma an. "Bla bla hält 40 % länger als herkömmlicher". Ich sage "geben Sie eine Garantie darauf?" (also das jemand Risiko mit übernimmt für seine Produkte/Leistungen). Da kam nur ein "Nein", und das Telefonat ist für mich beendet gewesen.
Damit soll also gesagt werden das es viele Webdesigner gibt die überzeugt sind von ihren Werbemöglichkeiten, aber viele nicht mal ne Garantie geben wollen. Warum nicht ein Teilrisiko übernehmen? Oder ist man auf einmal doch nicht mehr überzeugt von seinem Produkt?
Aber das wollen dann wieder viele nicht, sind wollen einen klaren Schnitt, verkaufen einem ein Airbrush unter der Motorhaube, und lassen den Kunden damit dann alleine. Ich halte das für einen Fehler. Und genau diesen mache ich mir zu nutzen.
Klar, ich weiß das sich ein solches Konzept nicht auf alles übertragen lässt (z.B. ein Kunde ist Dienstleister). Aber es soll ein Denkanstoss sein.
Ein weiterer Punkt ist, das ich es (ja ich bin Verkäufer

) für äußerst bedenklich finde wie viele Webdesigner sich hinter ihren Webseiten verstecken und hier und da mal was bei my-hammer & co. versuchen indem sie dort Leute anschreiben. Ich bin der Meinung Webdesign ohne Aussendienst ist früher oder später tot (also jemand der nur auf Webdesign-Erstellung Selbständig sein will).
Das witzige daran ist noch, das sich dann genau solche Leute über Preise die gezahlt werden beschweren. Ja was will man den erwarten? Ich gehe nach Ebay, und will dort meine Handy verkaufen, und wundere mich das ich dort nicht den Preis bekomme den ich will? => Angebot und Nachfrage!
Dann geh ich doch lieber von Tür zu Tür (auch symbolisch gemeint zur kalt Akquise). Dort hat ein Kunde keine (kaum) eine Vergleichsmöglichkeit. Aber dafür sind sich viele zu fein. Lieber eine "Hammer" Page mit gutem Code, und im Internet Leute anschreiben (genau die Leute die nur "billig billige" und "Geiz-ist-geil" sind, da darf man sich dann nicht wundern), das nennen sie dann Akquise.
Ich selber habe nicht mal eine Page für meine Leistungen. Warum auch? Meine Kunden haben meist nicht mal Internet. Ich bin überzeugt das man einen "ordentlichen Kunden" (der auch "ordentliches" Geld zahlt) nicht über eine Webseite bekommt (im direkten Sinne). Sondern die eigene Page nur eine Referenz ist. Also ausschlagebend ist immer die Akquise selbst (Aussendienst, Verkauf, Beratung, Telefon, ...).
Ich hoffe ihr versteht was ich meine und könnt Differenzieren. Ich will keine schlecht machen. Ich finde es beneidenswert wenn jemand guten Code, tolle Grafiken, .... usw. machen kann. Nur es muß auch verkauft werden.
Danke fürs lesen
Ciao Claudio
PS: Man merkt wohl das mir das auf der Seele brennt
Und ich habe auch kein Problem meine "Taktik" zu erleutern, den dadurch bin auch ich gezwungen immer "besser" (z.B. mehr Risiken einzugehen) zu werden.
PPS: Hier noch 2 ähnliche Diskussionen zum der gesamt Thematik:
http://www.forum.gruender-treffpunkt.de ... nheitsbrei
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