Der Kiwibecher - Photoshop Tutorial

Ausgangsmaterial: Eierbecher und Kiwi (3072*2048 Pixel)

Beispiele aus der Werbung machen klar, wie wichtig kreative Eyecatcher sind, denn sie entscheiden darüber, ob sich die Werbung beim Betrachter einprägt oder nicht. So auch eines der bekanntesten Beispiele aus den Medien, bei dem eine menschliche Zunge nach dem Essen eines Yoghurts die Oberflächenstruktur einer Erdbeere besitzt.
In diesem Artikel möchte ich einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten der digitalen Bildretusche geben und aufzeigen, mit welch einfachen Möglichkeiten man den eben angesprochenen Textureffekt erzielen kann.

Schritt 1: Vorbereitung

Nachdem wir Photoshop gestartet haben, öffnen wir zuerst unsere Grundlage auf der wir arbeiten wollen. Dies ist in unserem Fall das Foto des Eierbechers, der auf einem Frühstückstisch ein wenig in Szene gesetzt wurde.
Zusätzlich benötigen wir Fotos einer oder mehrerer Kiwis, aus denen wir die Oberflächentextur für den Becher erzeugen können. Mehrere Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven liefern dafür eine recht gute Ausgangsbasis. Wir geben uns in unserem Beispiel der Einfachheit halber mit einem Foto zufrieden. Eine zum Eierbecher ähnliche Lichtsituation ist dabei von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig, da wir diese auch nachträglich erzeugen können.



Schritt 2: Auswahl der Textur

Nachdem wir das Bild der Kiwi im ersten Schritt in einer neuen Ebene abgelegt haben, suchen wir uns geeignete Teile, die von ihrer Form und Textur gut auf unseren Eierbecher passen. In unserem Fall empfiehlt es sich, zwei verschiedene Teile der Kiwi für den Fuß und den Korpus des Bechers zu verwenden. Dazu markieren wir mit dem Lasso-Tool die entsprechenden Teile und kopieren diese in neue Ebenen, jeweils eine Ebene für die Textur des Fußes und eine für den Korpus des Bechers. Wir rotieren und skalieren die beiden Texturen so, dass sie zur Form des Bechers passen. Die Ebene mit dem Bild der Kiwi können wir nun wieder löschen.





Schritt 3: Anpassen der Textur

Im vorherigen Schritt haben wir die Texturen nur grob an die Form des Bechers angepasst. Nun verwenden wir den Radiergummi und/oder die Lasso-Werkzeuge um die Textur freizustellen. Dabei ist es hilfreich, die Deckkraft der Texturebenen zu verringern um sowohl die Textur, als auch den Becher im Blick zu haben.



Schritt 4: Texturdetails

Jetzt verpassen wir unserer Textur zusätzliche Details, die zwar kaum sichtbar, sehr wohl aber maßgeblich zum Realismus unserer Texturmontage beitragen. Ein Beispiel für ein solches Detail sind die kleinen Härchen der Kiwihaut, die nun dazu beitragen sollen, den Becher etwas organischer wirken zu lassen. Diese Härchen können wir uns entweder mit dem Radiergummi-Werkzeug freistellen, indem wir mit verschiedenen Pinselgrößen in unterschiedlich großen Abständen radieren oder wir verwenden den Wischfinger, mit dem wir ganz einfach die Haare aus der Textur „ziehen“ können.



Schritt 5: Farb- und Helligkeitsanpassung

Je nachdem welche Textur man verwendet, bietet es sich jetzt an farbliche Anpassungen vorzunehmen. Noch viel wichtiger ist die Anpassung an den Kontrast und die Lichtsituation der Szene. Stimmen diese „Eigenschaften“ nicht mit der Grundszene überein, so wirkt die Textur automatisch künstlich, so als würde sie nicht in die Szene passen.
Unsere Kiwi wurde bei gleicher Lichtsituation am gleichen Ort aufgenommen. Somit müssen wir diese Anpassungen nicht vornehmen. Da dies selten der Fall ist, bietet Photoshop einige sehr einfach zu bedienende Funktionen, mit denen wir unsere Textur optimal auf die Situation der Szene anpassen können.
Siehe dazu folgende Funktionen: Tonwertkorrektur, Gradationskurve, Helligkeit/Kontrast, Farbton/Sättigung usw.



Schritt 6: Grundschattierung Eierbecher

Selbstverständlich müssen wir die Schattierung der Textur nun noch an den Eierbecher bzw. die Lichtsituation der Szene anpassen. Dazu erzeugen wir 2 neue Ebenen, eine für die Schattierung des Korpus, eine weitere für den Fuß. Beide Ebenen ordnen wir der jeweiligen Texturebene im Ebenenmanager über und klicken mit gedrückter [Alt]-Taste zwischen die Ebene mit der Textur und die neu erzeugte Schattierungsebene. Somit beschränken wir den Schatten auch wirklich nur auf unsere Textur.
Den Schatten selbst erzeugen wir von Hand mit dem Pinsel-Werkzeug, indem wir einen Pinsel mit einer sehr niedrigen Deckkraft und einer Kantenschärfe zwischen 0% und 20% wählen. Sollte der Verlauf des Schattens zu hart werden, leistet das Weichzeichner-Werkzeug in diesem Fall gute Dienste. Ebenso ist es möglich, die Deckkraft der Ebene zu verringern um die Intensität des Schattens anzupassen.



Schritt 7: Detailschattierung Eierbecher

Um auch bei der Schattierung ein wenig auf die Details einzugehen, legen wir besonders Wert auf den Übergang zwischen Korpus und Fuß. Diese Verjüngung des Eierbechers schattieren wir etwas dunkler, da dort besonders wenig Licht ankommt. Dazu gehen wir wie im letzten Schritt beschrieben vor, indem wir einen etwas kleineren Pinsel mit einer erhöhten Kantenschärfe verwenden.
Ein weiterer Vorteil dieser Schattierung ist es, dass wir nicht so viel Wert auf den Übergang der beiden Texturen ineinander legen müssen, da wir den Becher in diesem Bereich recht stark abdunkeln.



Schritt 8: Schlagschatten

Fügen wir unserem Eierbecher nun noch einen schönen Schlagschatten hinzu. Im Ausgangsbild ist dieser zwar trotz Becher aufgrund der diffusen Beleuchtungssituation nicht vorhanden, dennoch erzeugt dieser ein realistischeres und glaubhafteres Gesamtbild. Wir erzeugen uns also wieder eine neue Ebene und gehen auch dort wieder wie in den letzten beiden Schritten vor.



Schritt 9: Der letzte Feinschliff

Zu guter letzt können wir alle Ebenen auf eine Ebene reduzieren, indem wir alle Ebenen selektieren und dann die Tastenkombination [Strg]-[e] drücken. Auf diese Ebene können wir nun noch eine Tonwertkorrektur und sonstige weitere Filter anwenden um das Gesamtergebnis zu verbessern. Mir reicht in diesem Fall die automatische Tonwertkorrektur um einen höheren Kontrast zu erhalten.



Schritt 10: Zusammenfassung

Selbstverständlich geht es in diesem Artikel lediglich um die Herangehensweise, mit der man beliebigen Objekten die unterschiedlichsten Texturen zuweisen kann.
Sollte ihr Bild noch nicht dem gewünschten Ergebnis entsprechen, so versuchen sie sich ein weiteres Mal daran.
Ein Grafiktablett hat sich dank der vielen Druckstufen im Übrigen vor allem bei der Schattierung und bei der Freistellung der Objekte bewährt und erlaubt somit ein wesentlich genaueres Arbeiten.
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