Fotografie

Lochkamera basteln (Fotografie Tutorial)

Tutorial erstellt von Sven, letzte Änderung am 16.08.2011

Funktionsweise einer Lochkamera


Die Lochkamera existiert seit hunderten von Jahren. Sie ist die erste von Menschen gebaute Kamera und das einfachste Gerät, um optische Abbildungen zu erzeugen.
Eine Lochkamera besteht lediglich aus einem lichtdichten Kasten, in dem das Licht durch ein winziges Loch (genannt: Lochblende) einfallen kann. Hierbei werden alle Lichtstrahlen, bis auf ein kleines Bündel, ausgeblendet.




Doch wie gelangt das Bild an die hintere Wand des Kastens?
Stelle dir vor, ein Gegenstand besteht aus vielen Punkten. Jeder Punkt strahlt Licht in alle Richtungen ab, also auch in Richtung unserer Kamera und somit durch die Öffnung.
Dieser Punkt hinterlässt an der Rückwand des Kastens ein Abbild seinesgleichen. Fasst man nun ganz viele dieser Punkte zusammen, erzeugen ihre Abbildungen ein Bild.
Man kann das Prinzip mit einem Bildschirm vergleichen: Je zahlreicher und kleiner die Pixel, desto klarer und schärfer das Bild. Auf die Lochkamera übertragen heißt das: Je kleiner das Loch, desto kleiner die Punkte und desto schärfer das Foto.
Der Durchmesser eines Punktes wird im Foto-Fachschinesisch auch als Zerstreuungskreis bezeichnet.

Ein kleineres Loch hat jedoch den Nachteil, dass es weniger Licht durchlässt. Das bedeutet, deine Verschlusszeit wird länger.




Siehe auch dieses stark vereinfachte Beispiel - Gehen wir davon aus, dass die bunte Kugel unser Motiv ist:





Von den Punkten gibt es unzählbar viele, die gemeinsam das Abbild der Kugel ergeben würden, hätte ich Zeit und Lust gehabt, sie alle einzuzeichnen ;)



Da du nun über das Grundwissen verfügst, können wir zum spannenden Teil voranschreiten.


Bauanleitung

Disclaimer, bitte lesen


Das Befolgen dieser Anleitung geschieht auf eigene Gefahr! Ich übernehme keine Haftung für Schäden und Verunreinigungen, die an Kamera und/oder Personen auftreten.




Schritt 1: Was benötige ich?


Alles, was du benötigst, findest du in folgender Abbildung:



1 - Alufolie oder ein anderes lichtundurchlässiges Material
2 - Papier als Isolierung (Mir gefiel die Idee nicht, ein leitendes Material direkt am Bajonett anzubringen, wo auch die elektrischen Kontakte sind).
3 - Nadel, mit der wir das Loch stechen werden.
4 - Klebeband
5 - Schere
6 - Reinigungszubehör, um den Sensor zu reinigen.
7 - Digitale Spiegelreflex- oder Systemkamera mit Wechselobjektiven.

8 - Ganz Wichtig: Vergewissere dich, ob deine Kamera in der Lage ist, auch ohne aufgesetztem Objektiv auszulösen! Tut sie es nicht, wirst du mit deiner Lochkamera keine Fotos machen können.
Für gewöhnlich steht diese Information in der Bedienungsanleitung.


Schritt 2: Bajonettbereich markieren und ausschneiden




Markiere, wie in obiger Abbildung, einen Bereich um das Bajonett deiner Kamera. Dies wird der Bereich, den wir gleich ausschneiden werden.
Hierbei solltest du großzügig vorgehen, um das Risiko durch Schlitze einfallenden Lichts zu minimieren. Geize nicht, es ist besser, du schneidest nachträglich etwas ab, als alles von vorn machen zu müssen.


Hast du alles markiert, so kannst du, der Markierung entlang, dein Papierstück herausschneiden. Selbiges musst du natürlich auch mit der Alufolie machen:




Schritt 3: Folie und Papier zusammenkleben


Klebe nun Folie und Papier zusammen. Es ist wichtig, dass die Alufolie an den Rändern nicht vom Papier absteht! Steht sie ab, bietet sie an der Stelle keinen Schutz vor Licht.




Schritt 4: Sensor vom Staub befreien




Bevor du unsere gebastelte Abdeckung auf die Kamera klebst, solltest du zusehen, dass der Sensor staubfrei ist. Die Lochblende macht erbarmungslos jedes kleinste Staubkörnchen sichtbar.

Die Reinigung geht wie folgt vonstatten:
1. vollen Akku einlegen, denn nichts ist schlimmer als wenn der Spiegel zurückklappt, während man am Sensor hantiert.
2. Spiegel hoch, Verschluss öffnen. Bei Nikon gibt es einen Inspektionsmodus, bei dem das erledigt wird. Diesen findest du im Menü deiner Kamera. Für alle anderen Hersteller verweise ich auf das Handbuch.
3. Sensor säubern. Mit Blasebalg, Pinsel oder anderem Verfahren
4. Kamera ausschalten und Schutzkappe aufsetzen.


Der von mir verwendete Blasebalg hat übrigens nicht sonderlich viel gebracht, wie du am Schluss dieses Tutorials sehen wirst. Besser, du nimmst zusätzlich Q-Tips (trocken) oder einen antistatischen Pinsel zur Hand.
Einen guten Artikel über diverse Reinigungsmöglichkeiten, findest du hier: Fotocommunity - Sensorreinigung.


Schritt 5: Abdeckung aufkleben



Klebe nun die Abdeckung auf deine Kamera. Schneide sie ggf. zurecht, wenn du sie nicht überall fest aufkleben kannst. Vermeide außerdem das Anbringen von Klebeband direkt an der Griffgummierung.

Beachte beim Kleben außerdem, dass du keine Lichtschlitze zurück lässt.


Schritt 6: Das Stechen des Loches


Nun ist endlich alles fertig und wir können das Loch stechen!
Zur Erinnerung: Je größer das Loch, desto unschärfer werden deine Bilder, aber desto mehr Licht hast du zur Verfügung. Es gilt also, einen guten Kompromiss zu finden.
Hast du sowieso vor, nur mit Stativ zu fotografieren, mache das Loch einfach so klein wie nur möglich. Ich habe meins etwas größer gemacht (0,75mm Durchmesser), um noch aus der Hand fotografieren zu können.

Steche das Loch möglichst genau in die Mitte des Bajonetts.



Hier ein Abbild der Öffnung. Wie gesagt: Meine Öffnung ist, mit 0,75mm im Durchmesser, groß. Möchtest du wirklich scharfe Bilder, vom Stativ aus, sollte sie deutlich kleiner sein!




Schritt 7: Fertig!




Herzlichen Glückwunsch, du hast deine erste Lochkamera gebastelt. Nun wollen wir sie doch direkt ausprobieren.


Fotografieren mit der Lochkamera

Grundlegend


Schaust du nun durch deinen Sucher wirst du mit Sicherheit kaum etwas erkennen. Kein Wunder, bei der geringen Lichtmenge, die durch das winzige Löchlein fällt. Dementsprechend lang sind auch die Verschlusszeiten, die du nun wählen musst.
Hast du Glück, funktioniert die Belichtungsmessung deiner Kamera noch und du kannst dich nach dieser richten. Tut sie es nicht, wirst du raten müssen.


Brennweite der Lochkamera


Die Brennweite ist, vom Sensor aus gesehen, die Entfernung, in der das einfallende Licht gebündelt wird.
Da bei einer Lochkamera dieser Punkt genau bei dem Loch liegt, ist die Brennweite gleich der Entfernung des Lochs zum Sensor.

So bist du in der Lage, die Brennweite selbst zu bestimmen. Du musst lediglich das Loch näher, bzw. weiter vom Sensor entfernt platzieren. Behalte dabei aber im Kopf, dass der Raum zwischen Loch und Sensor lichtdicht sein muss.


Beispielbilder


Anbei noch ein paar Bilder, die aus meiner Kamera gekommen sind. Leider ein bisschen unscharf, da mein Loch wie gesagt zu groß war, aber dafür hatte ich relativ angenehme Verschlusszeiten.

Auch erkennt man den Dreck, der sich noch auf dem Sensor befunden hat, überdeutlich. Also sieh zu, dass dein Sensor sauber ist ;)



ISO 1600, 1/40s


ISO 1600, 1/40s


ISO 200, 1/6s



Als Vergleich ein Bild mit einer 50mm Festbrennweite:





Ich hoffe, du hast ein bisschen über die Funktionsweise einer Lochkamera lernen können und hattest während dieses Tutorials Spaß an der Sache.

Poste deine Ergebnisse doch mal in's Forum.

Eine kleine Anleitung, wie du eine Spiegelreflexkamera ganz einfach in eine Lochkamera umfunktionieren kannst - ohne den Schutzdeckel durchbohren zu müssen.


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