Fotografie

Sterne an hellen Lichtquellen ohne Filter (Blendensterne) (Fotografie Tutorial)

Tutorial erstellt von Sven in Kamera mit manuellen Einstellungsmöglichkeiten, letzte Änderung am 18.06.2011

Vorwort

Sei gegrüßt! Es freut mich, dass du hier her gefunden hast.
In diesem Tutorial geht es darum, wie man aus hellen Lichtquellen wunderschöne Sterne zaubern kann - ohne einen Sternenfilter zur Hilfe zu nehmen. Diese Sterne werden auch als Blendensterne bezeichnet.

Technische Voraussetzungen für dieses Tutorial gibt es keine. Blendensterne kann man sowohl mit einer Spiegelreflex als auch mit einer vollautomatischen Kompaktkamera erzeugen (Letztere haben sogar einen Vorteil).



Vorweg: In diesem Tutorial werde ich auf keine komplexen physikalischen Vorgänge eingehen! Sie stehen bereits auf diversen Seiten hinreichend erklärt.
Dieses Tutorial ist nur für diejenigen, die eine neue kreative Umgangsmöglichkeit mit ihrer Ausrüstung suchen.


Blendensterne erzeugen


Das Prinzip ist einfach: Wir machen uns die Beugungsunschärfe zu Nutze.

Fällt das Licht durch eine kleine, kreisrunde Öffnung, so wird es zu allen Seiten gleichmäßig gebrochen. Es entsteht ein gleichmäßiger Schleier auf dem Bild.
Da die Blende jedoch nicht kreisrund ist, erfolgt die Beugung des Lichts auch nicht gleichmäßig. Sie erfolgt bevorzugt in bestimmte Richtungen, nämlich im rechten Winkel zu den Lamellenkanten. Auf diese Weise entstehen, anstatt einem diffusen Schleier, einzelne Strahlen -> Die Arme unserer Blendensterne.

Hier können die Kompaktkameras endlich mal ihre Karten ausspielen: Dank ihrer Minisensörchen und Objektivchen mit entsprechend kleinen Blendendurchmessern, produzieren diese selbst bei Offenblende Sterne (runde Festblenden mal ausgenommen).


Summa summarum bedeutet dies also: Abblenden.

Je weiter man abblendet, desto kleiner die Öffnung und desto stärker die Beugung. Folglich werden die Sterne auch immer deutlicher, je weiter man die Blende schließt - und das ist auch schon die ganze Magie dahinter.


Hier ist eine Verdeutlichung der Entwicklung bei den einzelnen Blendeneinstellungen:



So weit so gut, aber es gibt noch andere Faktoren, die Einfluss auf das Aussehen unserer Sterne nehmen.
Das Allerwichtigste ist die Anzahl der Blendenlamellen, die dein Objektiv aufweist. Dazu mehr im nächsten Kapitel.


Einflussfaktoren der Blendensterne

Lamellenzahl

Die Lamellenzahl deines Objektivs ist der wichtigste Faktor zur Bestimmung des Aussehens der Blendensterne.

Ist die Lamellenzahl gerade, liegen sich stets zwei zueinander parallele Lamellenkanten gegenüber: Die von ihnen erzeugten Strahlen überlagern und verstärken sich.
Folglich sieht man die gleiche Anzahl an Strahlen, wie es Lamellen gibt.

Ist die Lamellenzahl ungerade, könnens ich die Strahlen zweier Lamellen nie überdecken. Logischerweise sieht man dementsprechend die doppelte Anzahl an Strahlen.

Eine Blende mit 8 Lamellen produziert also 8-armige Sterne, wohingegen eine 9-Lamellen-Blende 18-armige Sterne produziert.


Merke also:
- gerade Lamellenzahl = Armzahl
- ungerade Lamellenzahl = doppelte Armzahl


Runde vs. eckige Lamellen

Die meisten neuen Objektive werden mit abgerundeten Lamellen gefertigt. Das hat den Grund, dass die breite Masse nur an einem möglichst cremigen Bokeh interessiert ist und die Blendensterne außen vor lässt. Diskriminierung nenne ich das!
Hast du das zweite Kapitel durchgelesen, so dürftest du jetzt schon wissen, dass eine runde Öffnung ein großer Nachteil für die Sternenbildung bedeutet. Denn nur durch die spitzen Lamellenkanten werden die Arme deutlich. Alles Andere bildet einen langweiligen Schleier.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Objektive mit abgerundeten Lamellen generell ungeeignet sind, um Blendensterne zu produzieren. Es geht, wenn auch deutlich schlechter.
Hier ist ein Beispiel vom Nikkor 18-105mm VR Kitobjektiv, 7 abgerundete Lamellen, bei Blende 8:


Nicht sehr spannend, hm?



Arm-Variationen

Mit dem Zählen der Blendenlamellen ist es leider noch nicht getan. Sie liefert zwar die Informationen über die Armzahl, jedoch nicht über das Aussehen der Arme.
Mir sind bisher zwei verschiedene Arten begegnet:

1. paralelle Arme
2. V-förmige Arme

Hier bleibt leider nur eine Möglichkeit: Ausprobieren. Bei Pixel-Peeper.com könntest du Glück haben und ein paar Nachtbilder vom Objektiv deiner Begierde finden. Ansonsten wirst du es wohl oder übel irgendwoher ausleihen müssen.


Hier ist ein Beispiel für die verschiedenen Arm-Arten, beide mit Objektiven aufgenommen, denen 8 Blendenlamellen verbaut wurden:
Oben: V-förmig, unten: parallel


Beide Bilder sind mit einer Blende von 8 aufgenommen und dennoch sehen die Sterne völlig verschieden aus.
Die Objektive sind: Sigma 15-30mm f3.5-4.5 (oben) und Sigma 30mm f1.4 HSM (unten).


Wann gibt es die schönsten Blendensterne?

Der schönste Blendenstern ist der, der dem Bild hilft.
Immer nach dem "Schönsten" und "Besten" zu fragen führt nur zu Standardkram, den die Welt schon x mal gesehen hat. Möchtest du wirklich schöne Fotos machen, solltest du auf eigene Faust probieren und deinen eigenen Stil entwickeln.


Ich kann dir aber dennoch ein paar Tips geben, wie du zu deinen gewünschten Sternen kommen kannst:

Die Sterne werden gleichmäßiger, je punktförmiger die Lichtquelle ist. Bei einer perfekt runden Quelle sind sie also genau gleichmäßig zu allen Seiten, wohingegen eine Neonröhre sehr langgezogene Sterne produziert.
Die Stärke der Blendensterne hängt auch stark vom Kontrast ab: Je stärker dieser ist, desto deutlicher erscheinen sie.
Dann lassen sich die Sterne in ihrer Größe und Form natürlich noch über die Blende steuern.

Kombinierst du dieses Wissen, wirst du mit ein bisschen Übung in der Lage sein, für dich zu beurteilen, welche Sterne wann passen.


Die Sternenmaschine: Sigma 30mm f1.4 EX DC HSM

Dieses Objektiv ist eine Empfehlung von mir für jeden, der gerne nachts unterwegs ist. Am 1,5er Crop entspricht das Objektiv einer Normalbrennweite von 45mm am Kleinbildformat. Es ist also ein perfektes Immerdrauf für unterwegs. Ich bin sehr oft mit nur diesem Objektiv losgezogen.

Ich kenne kein Objektiv, das mehr gestalterische Möglichkeiten bietet als das 30er Sigma.
Es hat einen extrem schnellen und genauen Autofokus, ein sehr cremiges Bokeh, es ist offenblendtauglich - und das Beste: deutlich sichtbare Blendensterne ab f2.8!!
Das alles für 450€ Neupreis (ca. 300€ gebraucht, Stand: 05.2011).


Hier sind ein paar Bilder, die mit diesem König der Nacht aufgenommen worden sind:



In diesem Bild liegen die Vor- und Nachteile der eckigen Lamellenkanten des Sigmas dicht beisammen: Stoppschild-Spitzlichter im Bokeh, Wunderschöne Blendensterne im Vordergrund. Blende: f2.8



Rheinkniebrücke - Blende: 8



Auch tagsüber kann man durch den Einsatz von Blendensterne schöne Akzente setzen. Blende: 8



Ohne Sterne sähe dieses Bild doch total langweilig aus, findest du nicht? Blende: 6




Tja, nun genug Werbung. Gehe lieber fotografieren!
Viel Spaß und lass mal die Ergebnisse im Forum sehen :)

Sterne machen ohne Sternenfilter ist garnicht so schwer. Wie man es anstellt und wovon das Aussehen dieser Blendensterne abhängt, erfährst du in diesem Tutorial.


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