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Bewegungsunschärfe (Fotografie Tutorial)
Tutorial erstellt von Miriam, letzte Änderung am 28.06.2011Vorwort
Heutzutage habe ich das Gefühl, jeder der eine Kamera halbwegs gerade in Händen halten kann und mit eingestellter Automatikfunktion den Auslöser drückt, hält sich für einen Fotografen. Es entsteht oftmals der Eindruck, je schärfer ein Bild, desto besser das Foto. Dem ist nicht so – ein gezielt gewählter scharfer Abbildungspunkt (gerne mit kleiner Blende und Teleobjektiv fotografiert) fasziniert umso mehr als ein von vorne bis hinten scharfes Foto.
Sich bewegende Objekte, seien es Menschen oder Fahrzeuge, erzeugen automatisch Spannung und Dynamik im Bild. Das Fotografieren von Bewegung erfordert ein wenig Übung und kann ganz unterschiedliche Bildaussagen hervorrufen. Um dies zu verdeutlichen habe ich eine kleine Fotoserie zum Thema „Fahrzeug in Bewegung“ erstellt.
Die Aufnahme
Die Wahl des Formates
Auch die Wahl des Formates ist nicht unbedeutend für die Bildaussage. Ich habe mich für ein Querformat entschieden, das Format, welches unserer Sehgewohnheit entspricht. Es steht für eine das Fließende, für Weite und Distanz, es betont die horizontalen Linien. Gemäß unserer Blickrichtung „lesen“ wir es von links nach rechts – das Fahrzeug fährt aus dem Bildformat hinaus.
Unschärfe erzeugen
Mein kleiner Smart dient hier als Anschauungsobjekt (und ich verbitte mir jeglichen Kommentar…). Das Shooting fand auf einer kleinen, wenig befahrenen Waldstraße, bei bedecktem Himmel und Tageslicht statt. Ich habe bewusst einen dunklen Hintergrund (keinen Himmel, etc.) gewählt, um die Wischeffekte noch deutlicher zeigen zu können.
Fotografiert wurde diese Serie mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (Canon EOS-Serie) bei Blende 11, die Kamera befand sich bei allen Aufnahmen auf einem Stativ. Das Auto hatte eine konstante Geschwindigkeit von ca. 25-30 km/h.

Aufnahme 1
Das Fahrzeug zeigt keine Bewegungsunschärfe
ISO 1600, Blende 11, 1/45 sec
Das Auto scheint zu stehen, alle Bildinformationen sind scharf abgebildet. Das Foto langweilt den Betrachter sehr schnell.

Aufnahme 2
Das Fahrzeug zeigt geringe Bewegungsunschärfe
ISO 1600, Blende 11, 1/45 sec
Das Auto erscheint leicht unscharf, trotzdem bleiben die Konturen des Fahrzeugs gut erkennbar. Der Hintergrund wird scharf abgebildet.

Aufnahme 3
Das Fahrzeug zeigt starke Bewegungsunschärfe.
ISO 800, Blende 11, 1/20 sec
Das Auto erscheint stark unscharf, Details des Fahrzeugs gehen verloren. Der Hintergrund wird scharf abgebildet.

Aufnahme 4
Das Fahrzeug zeigt extreme Bewegungsunschärfe.
ISO 400, Blende 11, 1/8 sec
Das Auto erscheint so stark unscharf, dass das Fabrikat nicht mehr erkennbar ist.
Der Hintergrund wird scharf abgebildet.
Diese Aufnahmemöglichkeit eignet sich besonders für Architekturfotos mit großen Menschen- oder Verkehrsaufkommen, da bewegte Objekte mit zunehmender Belichtungszeit bis hin zur Unsichtbarkeit verblassen. Hiermit gelingt es, das Wesentliche des Bildes herauszuarbeiten und die unwichtigen Bildelemente in den Hintergrund treten zu lassen.

Aufnahme 5
Das Fahrzeug wird scharf abgebildet vor leicht verwischtem Hintergrund
ISO 1600, Blende 11, 1/60 sec
Der Hintergrund erscheint leicht unscharf, trotzdem lassen sich Details wie der
Holzzaun noch gut erkennen.
Im Gegensatz zu den vorherigen Bildern wird nun die Kamera (auch bei den folgenden Aufnahmen) auf dem Stativ mitgeschwenkt. Dies erfordert ein wenig Übung, damit das Auto auch mittig im Bild festgehalten wird.

Aufnahme 6
Das Fahrzeug wird scharf abgebildet vor stark verwischtem Hintergrund
ISO 800, Blende11, 1/30 sec
Der Hintergrund erscheint stark unscharf, Äste und Blätter verschmelzen zu einem Farbenmeer. Die Betonung der horizontalen Bewegung gibt dem Bild Dynamik und Spannung. Für mich das gelungenste Foto dieser Testreihe.

Aufnahme 7
Das Fahrzeug wird leicht unscharf vor stark verwischtem Hintergrund abgebildet
ISO 200, Blende 11, 1/8 sec
Straßenbelag und Waldhintergrund werden zu einem Gesamten. Das Auto ist trotz leichter Unschärfe, besonders bei den Rädern zu erkennen, gut definierbar. Extreme Bewegung und Schnelligkeit, mein kleines Rennauto…
Ideal anzuwenden bei Sportaufnahmen, wie Formel 1 oder Pferderennen.
Schlusswort
Dies ist nur eine kleine Auswahl an Bildbeispielen.
Ohne jegliche Hilfsmittel, lediglich durch das Variieren von Zeit, Blende und ISO-Einstellung, können völlig unterschiedliche Bildaussagen getroffen werden. Sicherlich erfordert besonders das Mitziehen der Kamera bei bewegten Objekten einiges an Übung - Das Ergebnis lohnt den kleinen "Mehraufwand" aber bestimmt. Probiert es aus!
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